Die Frühstücksruderer scheuen nie Kosten und meistens auch keine Mühen. Nur durch intensives Befassen mit den verschiedenen Arten der Frühstücksruderer ist es schließlich gelungen, deren Unterscheidungsmerkmale herauszuarbeiten. Aber lest selbst:
Es begann mit einer simplen Antwort auf meine Anfrage zur Abmeldung in die Winterpause:
Lieber Matthias,
ich melde mich hiermit AB. Allerdings nicht als Sommerfrühstücksruderer (welch ein Wort!), sondern, sagen wir, als traditioneller Frühstücksruderer, vielleicht besser "eigentlicher Frühstücksruderer". Meine Abmeldung möchte ich nicht vornehmen, ohne auf die Gefahren des Winterruderns hinzuweisen - so z.B. auf den bedauerlichen Fall, dass ein Ruderkamerad im Dunkeln die Stemmbrettschraube mit dem Feuerzeug suchte und dabei seinen -noch nicht gefrorenen- Bart versengte. Oder dass ein Boot im Dunkeln nach einem unklaren Kommando vorn und hinten in unterschiedliche Richtungen gedreht wurde - sog. Wring-Achter... Viel Freude!
Mili
Wolfgang veranlasste diese Abmeldung zu folgendem Auftrag an die wissenschaftliche Fraktion:
Nachdem sich Mili als letzter echter warmfüßiger Sommerruderer geoutet hat, möchte ich hiermit Helmut im Namen aller Winterruderer bitten, uns Vorschläge zur Rettung solcher bedrohter Pflanzen zu machen. Gibt es überhaupt Erfahrungen mit nur noch einem männlichen Exemplar? Können wir ihn ungeschlechtlich vermehren? (Oder gibt es ein noch nicht entdecktes weibliches Pendant???). Wie oft und womit soll er gegossen werden? Darf er ins Sonnenlicht? Nicht auszudenken, diese Spezies stürbe aus!
Schuld an diesem Desaster sind sicherlich die eisenbiegenden Ergonauten! Vielen ist die Brisanz dieser neu entstandenen Art nicht deutlich, die sich ja aus dem Warmruderer unter lautem Stöhnen im Kraftraum entwickelt hat und diesen dadurch in seiner Existenz
bedroht.
Bitte nur ernstgemeinte Antworten an
Wolfgang
Helmut hat uns gerettet:
Lieber Wolfgang!
Vielen Dank für das in mich gesetzte Vertrauen - selbstverständlich ist es voll gerechtfertigt. Nach intensiven und zeitraubenden Recherchen ist es mir sogar gelungen, ein Bild dieses rara avis zu ergattern. Rara avis - denn der von Euch angesprochene warmfüßige Sommerruderer (wissenschaftlich: Aestatiremex tepidipedatus) ist mitnichten ein Vegetabilium, sondern gehört vielmehr ins Reich der Ornis.
Ein Bild des eisenbiegenden Ergonauten gibt es auch.
Warmfüßiger Sommerruderer - Aestatiremex tepidipedatus
gehört zur Vogelwelt Entenhausens. Vermehrungsweise trotz intensiver Nachforschungen immer noch unbekannt (im Erbrecht liegt das Prinzip der Veronkelung vor). Was die Gefährdung betrifft, so braucht man dazu Angaben über
- die frühere Häufigkeit
- die heutige Häufigkeit
- den langfristigen Rückgangstrend
- den kurzfristigen Rückgangstrend
All das wird - natürlich skaliert und normiert - einem Algorithmus unterworfen. Vorher kann man leider keine Aussage treffen. So sollen jetzt nämlich die Roten Listen erstellt werden, also ähnlich unseriös wie wir das von Konjunkturprognosen und Arbeitslosenstatistiken kennen.
Gut, dass wir Helmut haben, der uns solche schwierigen Sachen einfach erklärt!
Es ist übrigens gelungen, das letzte Exemplar in freier Wildbahn zu fotografieren. Was mag er wohl denken?


