Es ist Mittwochmorgen. So etwa 05:40 Uhr. Irgendetwas piepst in deinem Ohr. Kann doch noch gar nicht sein. Der Wecker ? Jetzt schon ? Mit geübter Handbewegung bringst du ihn zum Schweigen. Für immer ? Regen trommelt auf dein Dachfenster und was da um die Ecken pfeift ist ein frischer Nord-West Wind. Du hörst Stimmen. Mehrere gleich. Eine ist dein innerer Schweinehund. Er sagt: „Bleib´ liegen. Nur dieses eine Mal ! Das schadet dir nicht, wahrscheinlich hilft es dir sogar.“ Wohlig drehst du dich noch mal um. Stimmt ! Bestimmt hat er recht. Doch dann hörst du die 2. Stimme. Lieblich, vertraut, knurrend: „Nun steh´ schon auf, der Wecker nervt. Hast ja selbst Schuld, dass du dir das jeden Mittwoch antust. Aber ich will noch ein Stündchen schlafen !“
Falls dir das bekannt vorkommt bist du zweifellos RVW Frühstücksruderer. Und noch im Auto, wahrscheinlich auch auf dem Fahrrad, fragst du dich: „Was mach ich hier?“ Sobald du aber um die Bootshaus-Ecke biegst, hellt sich dein Gesicht auf. Lauter freundliche Gesichter, scherzend nimmt man dich auf, weil du wahrscheinlich immer noch aussiehst wie der 05:40 Uhr-Typ. In der Umkleide dann helles Licht, erste Gespräche, spätestens denjenigen, der nach dir gekommen ist, musst du frotzelnd über seine Müdigkeit aufziehen. Du bist jetzt wach und es ist 06:45 Uhr.
„Wieso hab ich die Regenjacke an?“ Es ist doch trocken. Die Sonne schaut durch die Wolken und der Wind weht; nur nicht hier ! Ich hätte die kurze Hose anziehen sollen. Aber schon geht es los. Die Aurora wird bereits zu Wasser gebracht. Neben dir schleppen fleißige Hände schon Skulls und Riemen zum Steg. Du machst einfach mit. Erstmal egal wo. Denn du bist schon in einem der Boote eingeteilt. Und tatsächlich: du steigst ins Boot und nach dem allseits bekannten Bauen, was für ein Luxus heute, man kann sogar das Stemmbrett sehen, Mitte Dezember ist es jetzt stockfinster um dich herum, geht es los Richtung Außenalster.
Auf den 4 Kilometern bis zum Fährdamm kommt dein Kreislauf in Schwung und beim Blick über die heute morgen kabbelige aber klare Außenalster nimmst du den Dialog mit deinem inneren Schweinehund wieder auf. Er soll sich endlich merken, dass du es genau dafür tust: Mal ist die Außenalster spiegelglatt, mal aufgewühlt. Ein anderes Mal steigt Nebel auf, Frühdunst wabert über dem Wasser. Und um diese Oase herum, brummt schon diese gigantische Stadt.
Kurz den Steuermann gewechselt, dann geht es zurück. Du spürst die Energie in dir. Bloß vor dem Achter zurück sein, sonst ist es unter der Dusche so voll oder das Wasser ist gar kalt. Ruhe stellt sich ein als du fast lautlos die letzten Meter mit angehobenen Blättern an den Steg gleitest. Wer hat da geknurrt? Ist doch alles ok ! Ach so, der Magen. Frühstückshunger.
Viele fleißige Hände haben bestenfalls schon den Tisch gedeckt. Heute sogar draußen. Du siehst auf deine Shorts. Du hättest eine lange Hose anziehen sollen. Aber draußen frühstücken hat nun mal Tradition. Der Kaffee duftet, dein Blick erkennt Vertrautes: Zwiebelmett, Fleischsalat, Salami. Käse! Nee, wo ist der denn? Du hast ihn nur gerochen ! Der Süßstoff fehlt, wie immer. Gut, dass du ihn
gleich mit rausgebracht hast. Die Tafel füllt sich und bei aller Kameradschaft musst du schon zusehen, dass du noch etwas vom roten Heringssalat ergatterst. Rege Gespräche werden geführt. Mal geht es um bedeutsame Dinge: „Wer hat die Becel?“ Mal um Nebensächlichkeiten: „Wie ist eigentlich die Wahl ausgegangen?“. Irgendeiner sagt dann bestimmt: „Man geht es uns wieder gut !“
Langsam zerstreut man sich in den Tag und der Einkäufer ruft noch für Käpt´n Blaubär auf dem Frühstücksruderer-Geldbeutel hinterher: „Hast du die 3 Euro für das Frühstück bezahlt?“ Einige sitzen noch länger und handeln sich damit das Aufklaren ein, aber es wird getan, was getan werden muss.
So geht das nun seit mehr als 1.500 Mittwochmorgen. Denn solange die Alster eisfrei ist, wird mittwochs früh gerudert. Auch im Winter. Immer unsere 8 Kilometer. Immer zum Fährdamm und zurück. Und das Frühstücksrudern erfreut sich im RVW immer größerer Beliebtheit. Mittlerweile ist die Gruppe auf über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angewachsen, die regelmäßig dabei sind. Wie alle Gruppen im RVW ist auch dieses eine offene Gruppe, die sich jederzeit über Zuwachs freut. Zum Mitrudern komm einfach vorbei. Möchtest du auch mit frühstücken melde dich bitte an. Denn so ein Frühstück muss ja schließlich auch eingekauft werden. Es gibt allerdings eine Bedingung: Spätestens wenn du um die Ecke am Bootshaus biegst, musst du auf gute Laune umschalten.
So, ich leg´ mich noch mal hin. Bis bald am Steg.
Never stop rowing.
Matthias
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