Ruderverein Wandsbek e.V.

Team Wilhelm.Tel, Rgm des LSV und RVW

Hier findet ihr nun den angekündigten Bericht zum Genfer See Marathon 2008. Für den eiligen Leser, geht es hier zum Kurzbericht des DRV . Das Regattaergebnis könnt ihr hier einsehen. Lesen ist doof ? Dann geht es hier zur Bildergalerie... .

Wellen, Wind und eisige Kälte

Die Tour du Lac Leman in Genf zählt mit einer Länge von 160 km zu den außergewöhnlichen Herausforderungen des (Ruder-)Sports. Ende 2007 fand sich eine Renngemeinschaft aus LSV-Ruderern und Ruderern des Rudervereins Wandsbek zusammen, die sich dieser Herausforderung stellen wollte:

Matthias Ritz; 43 Jahre, langjähriger Ruderer des RVW und Marathonläufer

Ansgar Heinze; 35 Jahre, Ruderer im LSV und 3maliger Teilnehmer der Regatta am Genfer See

Björn Schulze-Gülich; 33 Jahre, Ruderer im LSV

Frank Maselkowski; 46 Jahre, langjähriger Ruderer des RVW

Michael Bögle; 45 Jahre, langjähriger Ruderer des RVW und Triathlet
Die ersten technischen und konditionellen Grundlagen in Form von Ergometerkilometern und ersten Bootseinheiten wurden bereits im Winter gelegt, teilweise trotz Eisgang. Im Frühjahr verlagerte sich das Training dann vollständig auf das Wasser und die Trainingseinheiten wurden von 18 auf bis zu 87 Km verlängert. Der Wesermarathon mit über 135 Km war dann einer der Höhepunkte in der Vorbereitungsphase, bei dem bereits klar wurde, dass das Team sich gut zusammengefunden hatte und sich auf dem richtigen Weg befand.
Gleichzeitig liefen auch die Planungen für die umfangreiche Bootspräparation. Nicht nur die Verpflegung musste ausgeklügelt und getestet werden, auch das Boot musste für die besonderen Herausforderungen des Genfer Sees gewappnet werden. Dazu gehörten Wellenabweiser an den Auslegern und Abdeckungen an Bug und Heck. Ebenso mussten GPS Navigationseinrichtungen und umfangreiches Sicherheitsequipment, wie Pumpen, Rettungswesten und Lampen beschafft und im engen Boot verstaut werden.
Ausfahrten auf der Elbe zum Testen der Ausrüstung schlossen die umfangreiche Vorbereitung ab und halfen dabei, die Ausstattung zu perfektionieren. Nach ungefähr 8100 absolvierten Mannschaftskilometern fühlten sich alle der Aufgabe gewachsen und brannten darauf, endlich an den Start zu kommen. Da wir dankenswerter Weise das Boot und die Ausrüstung nach Genf transportiert bekamen, konnte sich die Mannschaft gemütlich von der Cityline nach Genf bringen lassen und kam dort entspannt am Freitagmorgen an.
Die Bootspräparation dauerte bis in den Nachmittag. Der Genfer See empfing das Team mit starkem Wind und hohen Wellen. Beim Wetter-Briefing am Nachmittag äußerte der Veranstalter dann sogar erstmals vorsichtige Zweifel, ob die Regatta unter diesen Umständen gestartet werden könne. Nach dem abendlichen Aktiven-Empfang im luxuriösen Ambiente der Societe de Nautique de Geneve (Heimatverein der Alinghi) verbrachte das Team eine erstaunlich ruhige Nacht. Am nächsten Morgen hatte der Wind auch etwas nachgelassen. So war allgemein große Erleichterung zu verspüren, als bekannt gegeben wurde, dass das Rennen begonnen würde.
21 Teams aus aller Welt hatten den Weg nach Genf gefunden und warteten bei kabbeligem Wasser auf den Startschuss. Vom Start weg konnte sich die Hamburger Mannschaft in der Spitzengruppe festsetzen und bei immer höher werdenden Wellen und starkem Gegenwind dort auch halten. Nach kürzester Zeit war die gesamte Mannschaft komplett durchnässt. Die Elektropumpe war im Dauereinsatz und schaffte es nur knapp, dass eindringende Wasser wieder herauszupumpen. Bereits nach kurzer Zeit stoppten Boote weiter hinten im Feld oder fuhren zum Ufer. Aber was diesen Booten widerfahren war, wurde erst später deutlich.
Nach etwa eineinhalb Stunden waren dann nur noch wenige Boote zu sehen und der Kampf gegen Wellen, Wind und Kälte ging einsam weiter. Erst nach drei Stunden mit bis zu einem Meter hohen Wellen beruhigte sich der See und nach weiteren zwei Stunden legte sich auch der starke Gegenwind. Nun wurde erst ersichtlich, wie viel Kraft diese fünf Stunden gekostet hatten. Trotz guter Bedingungen konnten nicht mehr die Geschwindigkeiten erreicht werden, welche beim Training auf der Alster nie ein Problem gewesen waren.
Eine Nachfrage bei einem der zu passierenden Streckenposten ergab, dass lediglich sechs Boote die ersten drei Stunden überstanden hatten und der Rest aufgegeben hatte. Nachdem das Hamburger Team zwischenzeitlich auf Platz zwei lag kam eine Mannschaft aus Ludwigshafen schnell auf und überholte. Nun begann der mühevolle und zähe Teil der Rundfahrt um den Genfer See. Durchgefroren und erschöpft zogen sich die Kilometer für das Team an der französischen Seite in die Länge. Die einbrechende Dunkelheit machte die Navigation schwer, wobei sich leider auch das Begleitboot nicht als wirkliche Hilfe herausstellte. Als dann 40 Kilometer vor Genf die Wellen wieder höher wurden, war für alle der persönliche Tiefpunkt erreicht.
Trotzdem konnten sich alle noch zu einem sechs Kilometer langen Endspurt aufraffen, als die Lichter Genfs nach der letzten Landspitze auftauchten. Mit letzter Kraft und die persönlichen Grenzen hinter sich lassend überquerten die Ruderer die Ziellinie in 16:00:08 um ein Uhr morgens. Zum Glück warteten im Ziel hilfreiche Hände, die beim Aussteigen und Bootstragen assistierten. Eine Ehrung mit Champagner und eine Massage halfen die schmerzenden Körper zu vergessen und langsam begriffen alle, was da geleistet wurde. Die Organisatoren waren tief beeindruckt, dass es bei diesen schlechten Bedingungen überhaupt in dieser Zeit geschafft wurde.
Ein dritter Platz in der Gesamtwertung und ein zweiter Platz in der offenen Klasse waren ein versöhnlicher Abschluss für die Strapazen dieser Regatta. Ein Jahr Vorbereitungszeit lagen erfolgreich hinter dem Team. Nach einer schönen Siegerehrung am nächsten Tag und dem Verladen des Bootes wurde der Sonntag möglichst bewegungsarm verbracht. Der Rückflug diente dann auch der Besinnung und Rekapitulation und dem Vergleich von schmerzenden Stellen und Blasen. Nun liegt diese Regatta hinter uns. Trotz aller Anstrengungen waren aber einige sofort bereit, sich im nächsten Jahr wieder der Herausforderung zu stellen.
Das Team Wilhelm.Tel möchte sich ganz herzlich bei allen bedanken, die an uns gedacht und geglaubt haben. Bei allen, die Rücksicht auf uns genommen haben, wenn wir wieder mal nichts anderes als den Seehasen im Kopf hatten. Danke an alle, die uns aktiv geholfen oder unterstützt haben. Ein ganz herzlicher Dank gilt auch den Organisatoren der Societe de Nautique de Geneve, die sich diesen Dank mit ihrer so großen Freundlichkeit, Mühe und Kompetenz wirklich verdient haben.
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